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NtAF10 · Need to Act Fast

Disposition Effect

Value

Beispiel

Thomas hat vor zwei Jahren Aktien zweier Unternehmen gekauft: je 5.000 Euro in einen Technologie-Konzern und einen Energieversorger. Der Tech-Wert ist mittlerweile auf 6.500 Euro gestiegen, der Energieversorger auf 3.800 Euro gefallen. Als Thomas Geld für eine Urlaubsreise benötigt, verkauft er ohne zu zögern die Tech-Aktien. "Ich nehme den Gewinn mit, bevor er wieder verschwindet", denkt er zufrieden. Die Energieversorger-Aktien behält er. "Die verkaufe ich nicht mit Verlust", sagt er sich. "Ich warte einfach, bis sie wieder auf 5.000 Euro steigen, dann bin ich quitt." Auch als die Aktie weiter auf 3.200 Euro fällt, hält Thomas daran fest. Er recherchiert Argumente, warum sich der Energieversorger wieder erholen wird, und klammert sich an jede positive Nachricht. Zwei Jahre später: Die Tech-Aktie, die er verkauft hatte, steht mittlerweile bei 11.000 Euro. Die Energieversorger-Aktie dümpelt bei 3.500 Euro vor sich hin. Thomas ärgert sich, aber verkaufen will er immer noch nicht: "Jetzt erst recht nicht, ich habe schon so lange durchgehalten."

Was ist dieser Effekt?

Der Disposition Effect beschreibt unsere Neigung, Gewinne zu früh zu realisieren und Verluste zu lange auszusitzen. Wir verkaufen profitable Anlagen vorschnell, weil wir den guten Gefühl des Erfolgs genießen und Angst haben, den Gewinn wieder zu verlieren. Gleichzeitig halten wir an Verlustpositionen fest, weil die Realisierung eines Verlusts schmerzhaft ist und wir uns nicht eingestehen wollen, eine Fehlentscheidung getroffen zu haben. Dieser Effekt basiert auf mentaler Buchführung: Wir bewerten Investments relativ zu unserem ursprünglichen Kaufpreis statt nach ihrem zukünftigen Potenzial.

Warum ist das eine Verzerrung?

Rational betrachtet sollte der ursprüngliche Kaufpreis keine Rolle spielen – er ist ein sunk cost, ein versunkener Kosten. Die einzig relevante Frage lautet: Welche Anlage hat heute das bessere Zukunftspotenzial? Indem Thomas an der schlechten Aktie festhält, nur um keinen Verlust realisieren zu müssen, bindet er Kapital in einer schwachen Position und verzichtet auf bessere Anlagemöglichkeiten. Gleichzeitig verkauft er die starke Position vorzeitig und verpasst weiteres Wachstum. Studien zeigen, dass dieser Bias Anleger durchschnittlich 3 bis 6 Prozentpunkte Rendite pro Jahr kostet – ein erheblicher langfristiger Nachteil durch rein emotionale Entscheidungen.

Quellen