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TMI14 · Too Much Information

Framing Effect

BeliefReasoning

Beispiel

Ein Arzt erklärt einem Patienten die Optionen für eine Operation. Version A: "Diese Operation hat eine Erfolgsquote von 90 Prozent." Der Patient nickt erleichtert und stimmt zu. Version B: Ein anderer Arzt bei derselben Operation: "Bei diesem Eingriff sterben 10 Prozent der Patienten." Der Patient wird blass, zögert und möchte erst einmal nachdenken. Die Fakten sind identisch: 90 Prozent überleben, 10 Prozent nicht. Doch die Art der Präsentation verändert die Entscheidung radikal. Die positive Rahmung ("90 Prozent Erfolg") lenkt die Aufmerksamkeit auf den Gewinn und reduziert die wahrgenommene Risikobereitschaft. Die negative Rahmung ("10 Prozent sterben") betont den möglichen Verlust und erhöht die Risikoaversion. Menschen treffen völlig unterschiedliche Entscheidungen bei identischen Optionen - nur die Formulierung ändert sich.

Was ist dieser Effekt?

Der Framing Effect beschreibt das Phänomen, dass Menschen unterschiedliche Entscheidungen treffen, abhängig davon, wie Informationen präsentiert werden - selbst wenn die zugrundeliegenden Fakten identisch sind. Bei positiver Rahmung (Gewinn-Fokus) bevorzugen Menschen sichere Ergebnisse; bei negativer Rahmung (Verlust-Fokus) wählen sie eher riskante Optionen. Der Effekt wurde durch das berühmte "Asian Disease Problem" von Tversky und Kahneman nachgewiesen: 72 Prozent wählten die sichere Option bei positiver Formulierung, aber 78 Prozent bevorzugten die riskante Option bei negativer Formulierung - bei mathematisch identischen Szenarien.

Warum ist das eine Verzerrung?

Logisch sollte die Formulierung keinen Einfluss auf unsere Entscheidung haben - nur die Fakten sollten zählen. Doch der Framing Effect zeigt, dass unser Denken nicht rational funktioniert. Die gleiche Information führt zu gegenteiligen Entscheidungen, je nach Präsentation. Dies macht uns manipulierbar: Politiker, Marketingexperten und Medien nutzen Framing gezielt, um unsere Meinungen und Entscheidungen zu steuern. Wir glauben, auf Basis objektiver Fakten zu entscheiden, doch tatsächlich reagieren wir auf die emotionale Färbung der Formulierung. Dies untergräbt rationale Entscheidungsfindung in allen Lebensbereichen.

Quellen