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NtAF20 · Need to Act Fast

Ikea Effect

Value

Beispiel

Lisa beschließt, ihr Wohnzimmer neu zu gestalten und kauft ein Regal von einem Möbeldiscounter zum Selbstaufbau. Sie verbringt einen ganzen Samstagnachmittag damit, die Einzelteile zusammenzuschrauben. Mehrmals muss sie Teile wieder auseinandernehmen, weil sie falsch zusammengesetzt waren, und am Ende steht das Regal etwas schief. Trotzdem ist Lisa unglaublich stolz auf "ihr" Regal. Als ihr Freund vorschlägt, ein fertig montiertes Designer-Regal zu kaufen, das gerader steht und stabiler aussieht, lehnt sie kategorisch ab. Für Lisa ist ihr selbstgebautes Regal mindestens doppelt so viel wert wie das vorgeschlagene Modell – schließlich hat sie es mit eigenen Händen aufgebaut. Sie zeigt es jedem Besucher und erzählt ausführlich von den Herausforderungen beim Zusammenbau. In ihrer Wahrnehmung ist das leicht schiefe Regal ein Meisterwerk, während objektive Betrachter es als durchschnittliches Möbelstück mit kleinen Mängeln einschätzen würden.

Was ist dieser Effekt?

Der Ikea Effect beschreibt die kognitive Verzerrung, bei der Menschen Dinge, die sie selbst hergestellt oder zusammengebaut haben, unverhältnismäßig hoch bewerten. Benannt nach dem schwedischen Möbelhaus, das Produkte zum Selbstaufbau verkauft, zeigt sich dieser Effekt darin, dass wir bereit sind, deutlich mehr für selbstgemachte Objekte zu bezahlen als für identische fertige Produkte. Studien belegen, dass Personen bis zu 63% mehr für selbst montierte Möbel zahlen würden. Die eigene Arbeit und Mühe, die wir investieren, lässt uns das Ergebnis als wertvoller erscheinen – selbst wenn die Qualität objektiv schlechter ist als bei professionell hergestellten Alternativen.

Warum ist das eine Verzerrung?

Diese Wahrnehmung ist verzerrt, weil der tatsächliche Wert eines Objekts nicht von der investierten Eigenleistung abhängt, sondern von objektiven Kriterien wie Qualität, Funktionalität und Marktpreis. Lisa überschätzt ihr Regal erheblich, nur weil sie Zeit und Mühe hineingesteckt hat, ignoriert dabei aber dessen tatsächliche Mängel. Diese Verzerrung kann zu schlechten Entscheidungen führen: Man hält an selbstgemachten Lösungen fest, auch wenn bessere Alternativen verfügbar sind, verschwendet Zeit mit suboptimalen Produkten und ist weniger offen für konstruktive Kritik. Im beruflichen Kontext führt der Ikea Effect dazu, dass Menschen an eigenen Projektentwürfen festhalten und Feedback ablehnen, nur weil sie bereits viel Zeit investiert haben – selbst wenn grundlegende Änderungen nötig wären.

Quellen