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NEM28 · Not Enough Meaning

Impact Bias

Estimation

Beispiel

Jana träumt seit Jahren von einer Beförderung zur Abteilungsleiterin. "Wenn ich die Stelle bekomme, wird mein Leben perfekt", schwärmt sie. "Ich werde jeden Tag glücklich zur Arbeit gehen, endlich zufrieden sein, keine Sorgen mehr haben." Sie erhält die Beförderung – und drei Monate später ist der Alltag eingekehrt. Die neue Position bringt mehr Stress, Budget-Meetings sind langweilig, Personalprobleme nerven. Ihr Glückslevel ist nur marginal höher als vorher. Ihr Kollege Tim wurde nicht befördert. Jana hatte ihm prophezeit: "Du wirst am Boden zerstört sein, monatelang unglücklich!" Tatsächlich ist Tim nach zwei Wochen Enttäuschung wieder in seiner normalen Stimmung. Beide haben den Impact Bias erlebt: Sie überschätzten massiv, wie intensiv und wie lange die emotionalen Auswirkungen – positiv wie negativ – tatsächlich sein würden.

Was ist dieser Effekt?

Impact Bias beschreibt die Tendenz, sowohl die Intensität als auch die Dauer zukünftiger emotionaler Reaktionen zu überschätzen. Menschen prognostizieren zwar korrekt, ob ein Ereignis positiv oder negativ sein wird, aber sie irren sich dramatisch darin, wie stark und wie lange sie diese Emotionen fühlen werden. Mehrere Mechanismen tragen dazu bei: Fokalisierung (Menschen konzentrieren sich nur auf das eine Ereignis und ignorieren andere Lebensaspekte, die emotional puffern), Fehlinterpretation (unrealistische Vorstellungen über unbekannte Erfahrungen), Distinction Bias (Überbewertung von Unterschieden zwischen Optionen) und unterschätztes Sense-Making (das psychologische Immunsystem verarbeitet Ereignisse schneller als erwartet).

Warum ist das eine Verzerrung?

Diese Verzerrung führt zu suboptimalen Lebensentscheidungen. Menschen treffen wichtige Wahlen über Beziehungen, Karriere und Wohnort basierend auf falschen Annahmen darüber, was sie langfristig glücklich macht. Sie opfern gegenwärtiges Wohlbefinden für imaginierte zukünftige Euphorie, die nie in der erwarteten Form eintritt. Umgekehrt vermeiden sie Risiken aus Angst vor überschätztem emotionalem Schmerz. Die Verzerrung zeigt sich bei Studenten, die überschätzen, wie unglücklich sie in ungewünschten Wohnheimen sein werden (tatsächlich sind sie genauso glücklich wie in Wunsch-Wohnheimen), bei Sportfans, die emotionale Langzeitwirkungen von Siegen/Niederlagen überschätzen, und bei politischen Wählern, die die Auswirkungen von Wahlergebnissen überbewerten.

Quellen