NEM32 · Not Enough Meaning
Money Illusion
Beispiel
Stefan erhält bei seiner jährlichen Gehaltsverhandlung eine Erhöhung von 3 Prozent und freut sich über die Anerkennung seiner Leistung. Sein Kollege Thomas hingegen ist empört, weil sein Gehalt um 1 Prozent gekürzt wurde. Stefan fühlt sich fair behandelt, Thomas unfair. Was beide nicht berücksichtigen: Die Inflationsrate liegt bei 5 Prozent. In Wirklichkeit hat Stefan real 2 Prozent Kaufkraft verloren, Thomas sogar 6 Prozent. Beide können sich weniger leisten als im Vorjahr - doch Stefan fühlt sich als Gewinner, weil die nominale Zahl in seinem Vertrag gestiegen ist. Er fokussiert auf die sichtbare Zahl, nicht auf das, was er sich tatsächlich davon kaufen kann.
Was ist dieser Effekt?
Money Illusion beschreibt die Tendenz, Geld in nominalen Werten statt in realen Werten zu denken. Menschen konzentrieren sich auf den aufgedruckten Betrag, vernachlässigen aber die tatsächliche Kaufkraft - also wie viel man sich von diesem Geld wirklich kaufen kann. Eine Gehaltserhöhung von 2 Prozent fühlt sich gut an, auch wenn die Inflation bei 4 Prozent liegt und man real Kaufkraft verliert. Dieser Effekt zeigt sich besonders deutlich bei Lohn- und Preisverhandlungen, wo Menschen nominale Veränderungen emotional bewerten, ohne die Inflation einzurechnen.
Warum ist das eine Verzerrung?
Diese Denkweise führt zu irrationalen wirtschaftlichen Entscheidungen, weil nur die nominalen Zahlen zählen, nicht der reale Wert. Menschen fühlen sich durch nominale Lohnerhöhungen belohnt, obwohl ihre tatsächliche Kaufkraft sinkt. Sie akzeptieren wirtschaftliche Situationen, die sie real schlechter stellen, nur weil die sichtbaren Zahlen positiv erscheinen. Dies kann zu falschen Vertragsabschlüssen, schlechten Investitionsentscheidungen und einem verzerrten Verständnis der eigenen finanziellen Situation führen. Die Verzerrung zeigt, wie sehr unser Gehirn von oberflächlichen Zahlen beeinflusst wird, statt die tiefere wirtschaftliche Realität zu erfassen.