TMI18 · Too Much Information
Mood-Congruent Memory Bias
Beispiel
Jana hat einen fantastischen Tag: Sie hat eine Gehaltserhöhung bekommen, die Sonne scheint, und abends trifft sie Freunde. An diesem Abend schwelgt sie in Erinnerungen: die wunderbare Schulzeit, lustige Urlaube, wie glücklich sie war, als sie ihren Partner kennengelernt hat. Ihr Leben fühlt sich an wie eine Reihe positiver Ereignisse. Eine Woche später: Jana hat sich mit ihrer besten Freundin gestritten, ein Projekt bei der Arbeit ist gescheitert, und es regnet seit Tagen. Plötzlich erinnert sie sich an ganz andere Dinge: die Mobbing-Erfahrung in der Schule, die gescheiterte Beziehung vor fünf Jahren, wie oft sie sich schon ungerecht behandelt gefühlt hat. Ihr Leben erscheint ihr als Aneinanderreihung von Enttäuschungen. Die Ereignisse haben sich nicht geändert - nur Janas Stimmung. Und ihre Stimmung bestimmt, an welche Aspekte ihres Lebens sie sich erinnert.
Was ist dieser Effekt?
Der Mood-Congruent Memory Bias beschreibt das Phänomen, dass Menschen mehr Informationen und Erinnerungen abrufen, die ihrer aktuellen emotionalen Verfassung entsprechen. In glücklicher Stimmung erinnern wir uns leichter an positive Ereignisse; in trauriger Stimmung dominieren negative Erinnerungen. Dieser Effekt ist verwandt mit, aber unterschiedlich von zustandsabhängigem Gedächtnis: Es geht nicht darum, im gleichen Zustand zu sein wie beim Lernen, sondern darum, dass die emotionale Färbung der Erinnerung zur aktuellen Stimmung passt.
Warum ist das eine Verzerrung?
Diese Verzerrung ist problematisch, weil sie zu verzerrten Selbstwahrnehmungen und falschen Schlussfolgerungen führt. In depressiver Stimmung scheint das ganze Leben negativ gewesen zu sein - was die Depression verstärkt. In euphorischer Stimmung ignorieren wir vergangene Warnzeichen und treffen übermütig Entscheidungen. Unsere Erinnerungen sollten eine objektive Grundlage für Entscheidungen bieten, doch dieser Bias macht sie zu einem Spiegel unserer momentanen Gefühle. Menschen in schlechter Stimmung entwickeln verzerrte Lebensgeschichten, die ihre negative Sicht bestätigen - ein Teufelskreis, der besonders bei Depressionen gefährlich ist.