NEM37 · Not Enough Meaning
Not Invented Here
Beispiel
Das Entwicklerteam eines mittelständischen Softwareunternehmens braucht ein System für die Benutzerverwaltung. Der Teamleiter schlägt vor, eine bewährte Open-Source-Lösung zu nutzen, die bereits von tausenden Unternehmen erfolgreich eingesetzt wird, gut dokumentiert ist und kostenlos verfügbar wäre. Die Implementierung würde etwa zwei Wochen dauern. Das Team lehnt ab: "Wir wissen doch gar nicht, wie die das gemacht haben", "Das passt bestimmt nicht zu unserer Architektur", "Wir können das besser selbst machen." Sie entwickeln ihre eigene Lösung - die sechs Monate dauert, mehrere Sicherheitslücken aufweist und später mit erheblichem Aufwand gewartet werden muss. Das Team ist stolz auf "ihre" Lösung, obwohl sie objektiv schlechter und teurer ist als die abgelehnte Alternative.
Was ist dieser Effekt?
Not Invented Here (NIH) beschreibt die Tendenz von Organisationen und Teams, externe Lösungen, Forschung, Standards oder Wissen abzulehnen, nur weil sie nicht aus den eigenen Reihen stammen. Die Ablehnung erfolgt oft ohne objektive Bewertung, sondern aus emotionalen Gründen wie Stolz, Kontrollbedürfnis oder mangelnder Wertschätzung externer Arbeit. Forschung zeigt, dass Teams nach etwa fünf Jahren zunehmend isolierter werden und weniger externe Informationsquellen nutzen. Der Effekt führt zu unnötigem Ressourcenaufwand, Doppelarbeit und verpassten Innovationschancen.
Warum ist das eine Verzerrung?
Diese Denkweise ist irrational, weil sie die Herkunft einer Lösung über deren objektive Qualität stellt. Teams verschwenden Zeit und Geld, um bereits existierende Lösungen neu zu erfinden, oft mit schlechterem Ergebnis. Die Verzerrung blockiert Wissenstransfer, verhindert von Fremdleistungen zu profitieren und führt zu suboptimalen Entscheidungen. In einer globalisierten Welt mit hochspezialisiertem Wissen ist es unmöglich, überall selbst die beste Lösung zu entwickeln. Der NIH-Bias gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit und zeigt, wie Gruppenstolz rationales Entscheiden untergräbt. Innovation entsteht oft durch Kombination existierender Ideen, nicht durch deren Ablehnung.