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TMI23 · Too Much Information

Omission Bias

Decision Making

Beispiel

Zwei Väter stehen vor der gleichen Entscheidung: Ihr Kind gegen Masern impfen lassen. Beide lesen die gleiche Statistik: 1 von 1.000 ungeimpften Kindern stirbt an Masern, 1 von 100.000 geimpften Kindern erleidet schwere Impfkomplikationen. Mathematisch ist die Impfung 100-mal sicherer. Vater A lässt sein Kind impfen. Sollte etwas schiefgehen, hätte er aktiv eine Entscheidung getroffen, die seinem Kind geschadet hat. Diese Vorstellung quält ihn. Vater B entscheidet sich gegen die Impfung. Sollte sein Kind an Masern erkranken, kann er sich sagen: "Ich habe nichts getan - es ist einfach passiert." Die Untätigkeit fühlt sich emotional weniger belastend an, auch wenn sie objektiv riskanter ist. Vater B unterliegt dem Omission Bias: Er bevorzugt das Risiko durch Untätigkeit gegenüber dem geringeren Risiko durch Handlung, weil er sich für aktive Entscheidungen stärker verantwortlich fühlt als für passive Untätigkeit.

Was ist dieser Effekt?

Der Omission Bias beschreibt die Tendenz, Schaden durch aktives Handeln als schlimmer zu bewerten als Schaden durch Untätigkeit - selbst wenn die Untätigkeit objektiv zu schlechteren Ergebnissen führt. Der Effekt entsteht durch psychologische Trägheit (Verharren im Status quo), die Wahrnehmung von Transaktionskosten (Handlungen erscheinen aufwendiger) und unterschiedliche Kausalitätswahrnehmung (Handlungen werden als direkter verantwortlich für Folgen gesehen). Menschen bevorzugen systematisch Nicht-Handeln, weil es sich emotional sicherer anfühlt und die gefühlte Verantwortung reduziert.

Warum ist das eine Verzerrung?

Dieser Bias ist problematisch, weil das Ergebnis zählen sollte, nicht die Art, wie es zustande kam. Moralisch und praktisch sollte es keinen Unterschied machen, ob ein Schaden durch Handlung oder Untätigkeit entsteht - Schaden ist Schaden. Doch der Omission Bias führt dazu, dass Menschen rationalere Handlungen vermeiden und schlechtere Ergebnisse in Kauf nehmen, nur um das Gefühl persönlicher Verantwortung zu reduzieren. Dies hat ernste Konsequenzen in Medizin (vermiedene Behandlungen), Wirtschaft (verpasste Investitionen) und Politik (verhinderte Reformen). Menschen schützen sich emotional durch Untätigkeit, während sie objektiv größere Risiken eingehen.

Quellen