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NtAF42 · Need to Act Fast

Zero-Risk Bias

Risk

Beispiel

Eine Stadt muss ihr begrenztes Budget für Verkehrssicherheit einsetzen. Es gibt zwei Problemstellen: An der Hauptstraße passieren jährlich 20 schwere Unfälle, an einer Nebenstraße 5 schwere Unfälle. Zwei Maßnahmen stehen zur Wahl: **Option A:** Für 500.000 Euro kann die Nebenstraße komplett umgebaut werden - mit Ampeln, Zebrastreifen und baulicher Trennung. Das würde alle 5 Unfälle dort verhindern, die Nebenstraße wäre dann "risikofrei". **Option B:** Für dieselben 500.000 Euro könnte man an der Hauptstraße Geschwindigkeitsbegrenzungen, bessere Beleuchtung und Warnschilder anbringen. Das würde dort 12 der 20 Unfälle verhindern, aber nicht alle. Der Stadtrat entscheidet sich für Option A - die Nebenstraße wird "perfekt sicher" gemacht. Das fühlt sich gut an: Ein Problem ist vollständig gelöst, man kann stolz verkünden "Diese Straße ist jetzt sicher!" Die emotionale Befriedigung, ein Risiko komplett eliminiert zu haben, wiegt schwerer als die nüchternen Zahlen. Dass man mit demselben Geld mehr als doppelt so viele Unfälle hätte verhindern können, gerät in den Hintergrund.

Was ist dieser Effekt?

Der Zero-Risk Bias beschreibt unsere Tendenz, die vollständige Beseitigung eines Risikos zu bevorzugen, selbst wenn alternative Maßnahmen insgesamt mehr Schaden verhindern würden. Wir empfinden es als psychologisch befriedigender, ein Problem komplett zu lösen und auf "null Risiko" zu bringen, als mehrere Probleme teilweise zu reduzieren - auch wenn letzteres objektiv mehr Menschen schützen würde. Die emotionale Erleichterung durch völlige Risikoelimination hat für uns einen eigenständigen Wert, der rational schwer zu rechtfertigen ist.

Warum ist das eine Verzerrung?

Die Entscheidung ist problematisch, weil sie nicht das Ziel maximaler Schadensverhinderung verfolgt, sondern dem Gefühl der "Perfektion" nachgibt. Mit Option A werden 5 Unfälle verhindert, mit Option B wären es 12 gewesen - also 7 Menschen mehr, die vor schweren Verletzungen bewahrt worden wären. Der Zero-Risk Bias verleitet uns dazu, Ressourcen ineffizient einzusetzen: Wir investieren überproportional viel, um letzte Restrisiken zu eliminieren, statt die größeren Risiken anzugehen. Das führt dazu, dass insgesamt mehr Menschen zu Schaden kommen, nur damit wir das gute Gefühl haben können, an einer Stelle "alles richtig gemacht" zu haben.

Quellen