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NEM01 · Not Enough Meaning

Anecdotal Fallacy

ExperienceEvidence

Beispiel

Sarah diskutiert mit ihrem Mann über Elektroautos. "Ich kaufe mir niemals ein Elektroauto", sagt sie bestimmt. "Mein Kollege Thomas hat sich letztes Jahr einen Tesla gekauft, und nach nur drei Monaten musste er dreimal in die Werkstatt. Einmal blieb er sogar auf der Autobahn liegen! Elektroautos sind einfach nicht zuverlässig." Ihr Mann zeigt ihr Statistiken, die belegen, dass Elektroautos im Durchschnitt weniger Pannen haben als Verbrenner und die Kundenzufriedenheit bei 87% liegt. Doch Sarah bleibt unbeeindruckt: "Das kann sein, aber ich kenne die Geschichte von Thomas, und das reicht mir."

Was ist dieser Effekt?

Die Anecdotal Fallacy bezeichnet die Tendenz, einzelnen persönlichen Erlebnissen oder anekdotischen Berichten mehr Gewicht beizumessen als systematisch erhobenen, statistischen Daten. Menschen erinnern sich besonders lebhaft an ungewöhnliche oder dramatische Einzelfälle und überschätzen deren Repräsentativität. Persönliche Geschichten aus dem eigenen Umfeld erscheinen überzeugender als abstrakte Zahlen, selbst wenn diese auf einer wesentlich größeren Datenbasis beruhen.

Warum ist das eine Verzerrung?

Diese Verzerrung ist problematisch, weil Einzelfälle keine verlässlichen Aussagen über die Gesamtsituation erlauben. Was einer einzelnen Person widerfährt, kann durch zahlreiche individuelle Faktoren beeinflusst sein und muss nicht repräsentativ für die Allgemeinheit sein. Anekdotische Evidenz unterliegt keiner wissenschaftlichen Methodik und kann bewusst oder unbewusst selektiv ausgewählt sein. Wer wichtige Entscheidungen auf Basis einzelner Geschichten trifft, riskiert systematische Fehleinschätzungen und ignoriert das tatsächlich Typische zugunsten des besonders Einprägsamen.

Quellen