Alle Biases

NEM03 · Not Enough Meaning

Appeal to Probability

ProbabilityFallacy

Beispiel

Lisa plant eine Wanderung in den Bergen für nächsten Samstag. Ihr Freund warnt sie: "Nimm auf jeden Fall eine Regenjacke mit!" Lisa schaut ihn verwundert an: "Warum? Die Wettervorhersage sagt 15% Regenwahrscheinlichkeit." Ihr Freund bleibt dabei: "Ja, aber es *kann* regnen, also *wird* es regnen. Du kennst doch Murphy's Law – was schiefgehen kann, wird schiefgehen. Und weil wir keine Regenjacke dabei haben, wird es garantiert regnen!" Lisa seufzt: "Du verwechselst Möglichkeit mit Wahrscheinlichkeit. Nur weil etwas passieren kann, heißt das noch lange nicht, dass es passieren wird. Mit deiner Logik müssten wir auch Schneeschuhe mitnehmen, weil es theoretisch schneien könnte."

Was ist dieser Effekt?

Der Appeal to Probability ist ein logischer Fehlschluss, bei dem Menschen etwas als sicher oder sehr wahrscheinlich annehmen, nur weil es theoretisch möglich ist. Die fehlerhafte Denkweise folgt dem Muster: "Etwas kann geschehen, also wird es geschehen." Dabei wird die tatsächliche Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses vollständig ignoriert und reine Möglichkeit mit Gewissheit gleichgesetzt. Diese induktive Fehlschlussform tritt besonders häufig bei der Bewertung von Risiken und zukünftigen Ereignissen auf.

Warum ist das eine Verzerrung?

Diese Verzerrung ist problematisch, weil sie zu irrationalen Entscheidungen und übertriebenen Befürchtungen führt. Zwischen "kann passieren", "wird wahrscheinlich passieren" und "wird mit Sicherheit passieren" liegen fundamentale Unterschiede, die für rationale Planung entscheidend sind. Wer jeden möglichen Ausgang als unvermeidlich behandelt, verschwendet Ressourcen für unwahrscheinliche Szenarien und verliert die Fähigkeit zur realistischen Risikoabwägung. Die Verwechslung von Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit führt zu Angst vor Ereignissen, die zwar theoretisch eintreten können, deren tatsächliches Risiko aber vernachlässigbar gering ist.

Quellen