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TMI02 · Too Much Information

Attentional Bias

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Beispiel

Sarah hat vor drei Monaten mit dem Rauchen aufgehört und ist eigentlich stolz auf ihren Erfolg. Doch seit sie rauchfrei lebt, fallen ihr plötzlich überall Raucher auf: An der Bushaltestelle bemerkt sie sofort die Personen, die eine Zigarette anzünden. Im Café springt ihr Blick automatisch zu den Gästen, die draußen auf der Terrasse rauchen. Wenn sie durch die Stadt geht, registriert sie jeden Zigarettenautomaten und jede Werbetafel für Tabakprodukte. Selbst in Filmen achtet sie nun besonders auf Szenen, in denen geraucht wird. Sarah hat das Gefühl, dass plötzlich "alle rauchen" und dass Rauchen allgegenwärtig ist. Sie beginnt zu glauben, dass viel mehr Menschen rauchen als vor ihrer eigenen Raucherentwöhnung. Tatsächlich hat sich die Anzahl der Raucher in ihrer Umgebung nicht verändert - aber ihre Aufmerksamkeit richtet sich nun automatisch und bevorzugt auf alle rauchbezogenen Reize. Andere Personen und Aktivitäten um sie herum nimmt sie kaum noch bewusst wahr, weil ihre kognitiven Ressourcen auf das Thema Rauchen fixiert sind. Diese selektive Aufmerksamkeit macht es ihr zunehmend schwerer, bei ihrem Entschluss zu bleiben, denn die ständige mentale Beschäftigung mit dem Thema verstärkt ihr Verlangen.

Was ist dieser Effekt?

Attentional Bias beschreibt die Tendenz unseres Wahrnehmungssystems, bestimmte Informationen bevorzugt zu verarbeiten, während andere ignoriert werden. Unsere Aufmerksamkeit wird dabei automatisch und oft unbewusst von bestimmten Reizen angezogen - typischerweise von solchen, die emotional bedeutsam sind, mit aktuellen Sorgen zusammenhängen oder mit starken Bedürfnissen verbunden sind. Dieser Mechanismus führt dazu, dass wir alternative Informationen übersehen und eine verzerrte Wahrnehmung unserer Umwelt entwickeln. Der Effekt ist besonders ausgeprägt bei Personen mit Angststörungen (die bedrohliche Reize bevorzugt wahrnehmen) oder bei Suchtverhalten (die substanzbezogene Hinweisreize fokussieren).

Warum ist das eine Verzerrung?

Die selektive Aufmerksamkeit verzerrt unsere Wahrnehmung der Realität systematisch: Wir überschätzen die Häufigkeit und Bedeutung der Reize, auf die wir fokussiert sind, und unterschätzen oder übersehen alles andere. In Sarahs Fall führt dies zu der falschen Überzeugung, dass Rauchen allgegenwärtig sei, obwohl sich objektiv nichts geändert hat. Diese Verzerrung ist problematisch, weil sie einen Teufelskreis erzeugt: Die erhöhte Aufmerksamkeit für rauchbezogene Reize verstärkt das Verlangen, was wiederum die Aufmerksamkeit noch stärker auf diese Reize lenkt. Zudem verhindert die einseitige Fokussierung, dass Sarah positive alternative Verhaltensweisen oder Personen wahrnimmt, die ihr bei der Raucherentwöhnung helfen könnten. Der Bias führt so zu Entscheidungen und Einschätzungen, die auf einem unvollständigen und verzerrten Bild der Wirklichkeit basieren.

Quellen