NtAF06 · Need to Act Fast
Belief Bias
Beispiel
Lisa diskutiert mit ihrem Kollegen über Elektroautos. Er bringt folgendes Argument: "Alle Elektroautos sind umweltfreundlich. Umweltfreundliche Fahrzeuge werden staatlich gefördert. Deshalb sind alle staatlich geförderten Fahrzeuge Elektroautos." Lisa nickt zustimmend, weil die Schlussfolgerung plausibel klingt und zu ihrer Überzeugung passt, dass Elektroautos die Zukunft sind. Sie übersieht dabei, dass die Logik fehlerhaft ist: Auch wenn Elektroautos gefördert werden, bedeutet das nicht, dass alle geförderten Fahrzeuge Elektroautos sein müssen. Hybride, Wasserstoffautos oder sogar effiziente Dieselfahrzeuge könnten ebenfalls gefördert werden. Am nächsten Tag präsentiert ein anderer Kollege: "Keine teuren Autos sind umweltfreundlich. Elektroautos sind teuer. Deshalb sind Elektroautos nicht umweltfreundlich." Lisa lehnt dieses Argument sofort als unsinnig ab, weil die Schlussfolgerung ihrer Überzeugung widerspricht. Dabei bemerkt sie nicht, dass die logische Struktur des Arguments korrekt ist - wenn die Prämissen wahr wären, würde die Schlussfolgerung logisch folgen. Sie verwirft das Argument nicht wegen der Logik, sondern weil ihr das Ergebnis nicht gefällt.
Was ist dieser Effekt?
Belief Bias beschreibt die Tendenz, die Überzeugungskraft eines Arguments danach zu beurteilen, ob uns die Schlussfolgerung plausibel erscheint, anstatt zu prüfen, ob die logische Argumentation wirklich stichhaltig ist. Wir akzeptieren fehlerhafte Argumente, wenn sie zu Schlüssen führen, die wir ohnehin für richtig halten, und lehnen logisch korrekte Argumente ab, wenn uns die Konklusion nicht passt. Unser intuitives, schnelles Denksystem dominiert dabei das analytische Denken und lässt uns die Qualität der Begründung ignorieren, solange das Ergebnis unseren Erwartungen entspricht.
Warum ist das eine Verzerrung?
Diese Verzerrung ist problematisch, weil sie die Trennung zwischen logischer Gültigkeit und inhaltlicher Wahrheit verwischt. Ein Argument kann logisch fehlerhaft sein und trotzdem zu einer wahren Schlussfolgerung führen, genauso wie ein logisch korrektes Argument auf falschen Prämissen basieren kann. Wenn wir Argumente nur nach dem Ergebnis beurteilen statt nach der Qualität der Begründung, werden wir anfällig für Manipulation und schlechte Entscheidungen. Wir verfestigen unsere bestehenden Überzeugungen, auch wenn sie auf schwachen Argumenten basieren, und verschließen uns gegenüber berechtigter Kritik, nur weil uns deren Konsequenzen nicht gefallen. Dies behindert rationale Diskussionen und verhindert, dass wir unsere Ansichten auf Basis solider Argumente weiterentwickeln.