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NEM08 · Not Enough Meaning

Cheerleader Effect

GroupAttractiveness

Beispiel

Auf einer Party schaut Jan die Gruppenfotos auf Instagram durch, die seine Freunde gepostet haben. "Wow, auf dem Gruppenbild sehen alle richtig gut aus!", denkt er. Besonders eine Person fällt ihm auf. Er klickt auf ihr Profil und schaut sich ihre Einzelfotos an – und ist überrascht: "Hm, auf den Einzelbildern sieht sie irgendwie anders aus, nicht mehr so besonders attraktiv wie auf dem Gruppenfoto." Später bei einem Treffen erzählt er davon. Seine Freundin lacht: "Das ist der Cheerleader-Effekt! Unser Gehirn berechnet unbewusst den Durchschnitt aller Gesichter in der Gruppe, und dieser Durchschnitt erscheint uns attraktiver. Die einzelne Person profitiert davon, dass sie im Kontext des gemittelten Eindrucks gesehen wird."

Was ist dieser Effekt?

Der Cheerleader Effect ist ein kognitiver Bias, bei dem Personen in einer Gruppe etwa 1,5-2% attraktiver erscheinen als wenn sie allein betrachtet werden. Das menschliche visuelle System verarbeitet Gesichter in Gruppen kollektiv und erstellt automatisch gemittelte Eindrücke. Da durchschnittliche Gesichter mit typischen Merkmalen generell als attraktiver bewertet werden als Gesichter mit extremen Einzelmerkmalen, profitieren die Gruppenmitglieder von dieser unbewussten Mittelung. Der Effekt erfordert allerdings eine zeitliche Verzögerung – die Bewertung muss aus der Erinnerung erfolgen, nicht während des direkten Betrachtens.

Warum ist das eine Verzerrung?

Diese Verzerrung beeinflusst, wie wir Menschen auf Basis von Fotos oder Erinnerungen einschätzen. Unsere Wahrnehmung der Attraktivität einzelner Personen wird durch den Gruppenkontext systematisch verändert, ohne dass uns dies bewusst ist. Im Dating-Kontext könnte jemand auf Gruppenfotos attraktiver erscheinen, was zu falschen Erwartungen führt. In der Werbung nutzen Unternehmen diesen Effekt gezielt, um Produkte oder Personen ansprechender wirken zu lassen. Die hierarchische Kodierung unseres Gehirns führt dazu, dass wir keine objektive Einzelbewertung vornehmen, sondern immer vom Durchschnitt der Gruppe beeinflusst werden.

Quellen