TMI07 · Too Much Information
Choice Supportive Bias
Beispiel
Sarah hat sich vor einem Jahr nach langer Überlegung für ein Smartphone der Marke X entschieden, obwohl das Modell von Marke Y bessere Kamerawerte hatte und günstiger war. Bei einem Gespräch mit Freunden schwärmt sie davon, wie fantastisch die Kamera ihres Handys sei – dabei hatte sie sich damals gerade wegen der schwächeren Kamera unsicher gefühlt. Als ihr Freund Tom erwähnt, dass Marke Y doch bessere Fotos gemacht hätte, winkt Sarah ab: "Ach was, das Display von Y war viel zu dunkel, und der Akku hielt kaum einen Tag." Tatsächlich hatte das Y-Modell in Tests eines der hellsten Displays auf dem Markt und eine überdurchschnittliche Akkulaufzeit gezeigt. Sarah erinnert sich auch nicht mehr daran, dass sie beim Kauf des X-Modells über den hohen Preis gestöhnt und sich geärgert hatte, dass die Gesichtserkennung oft nicht funktionierte. In ihrer Erinnerung war es immer die richtige Wahl, und alle Eigenschaften ihres Smartphones erscheinen ihr jetzt besser, als sie tatsächlich sind.
Was ist dieser Effekt?
Der Choice Supportive Bias beschreibt unsere Tendenz, getroffene Entscheidungen nachträglich in einem besseren Licht zu sehen, als sie tatsächlich waren. Wir erinnern uns an positive Eigenschaften der gewählten Option überdurchschnittlich gut und verstärken sie in unserer Erinnerung, während negative Aspekte verblassen oder ganz vergessen werden. Gleichzeitig schreiben wir abgelehnten Alternativen mehr negative Eigenschaften zu, als sie objektiv hatten. Dieser Bias verändert also systematisch unsere Erinnerung an Entscheidungssituationen, sodass unsere Wahl im Nachhinein noch richtiger erscheint, als sie war.
Warum ist das eine Verzerrung?
Diese Verzerrung verhindert, dass wir aus unseren Entscheidungen lernen, weil wir die tatsächlichen Vor- und Nachteile nicht mehr realistisch einschätzen können. Sarah könnte beim nächsten Smartphone-Kauf von ihrer "Erfahrung" ausgehen, die aber auf verfälschten Erinnerungen basiert – und würde möglicherweise wieder suboptimale Entscheidungskriterien anwenden. Zudem führt der Bias dazu, dass wir schlechte Entscheidungen nicht als solche erkennen und korrigieren, weil wir sie nachträglich schönreden. In Sarahs Fall könnte sie auch andere Menschen mit ihren verzerrten Erinnerungen beeinflussen und ihnen fälschlicherweise von Marke Y abraten, obwohl diese objektiv die bessere Wahl gewesen wäre.