Alle Biases

TMI06 · Too Much Information

Bizarreness Effect

Memory

Beispiel

Lisa bereitet sich auf eine wichtige Prüfung vor und muss sich 20 historische Jahreszahlen merken. Ihre Freundin gibt ihr den Tipp, sich zu jeder Jahreszahl eine möglichst bizarre, absurde Geschichte auszudenken. Für das Jahr 1789 (Französische Revolution) stellt sich Lisa vor, wie Napoleon auf einem rosa Elefanten durch Paris reitet und Baguettes in die Menge wirft. Für 1914 (Beginn des Ersten Weltkriegs) denkt sie an explodierende Butterbrote, die über den Kontinent fliegen. Sie verbringt viel Zeit damit, sich für jede Jahreszahl eine möglichst verrückte Geschichte auszudenken. In der Prüfung kann sich Lisa tatsächlich an einige der bizarren Geschichten gut erinnern - besonders an Napoleon auf dem rosa Elefanten. Allerdings fällt ihr auf, dass sie sich bei anderen Jahreszahlen, für die sie weniger ausgefallene Geschichten erfunden hatte, überhaupt nichts mehr merken kann. Noch problematischer: Sie erinnert sich perfekt an die rosa Elefanten-Geschichte, kann aber nicht mehr sicher sagen, ob das nun 1789 oder 1793 war. Am Ende schneidet sie nicht besser ab als ihre Kommilitonin, die einfach die Jahreszahlen mit ihren sachlichen Kontexten gelernt hatte.

Was ist dieser Effekt?

Der Bizarreness Effect beschreibt die Annahme, dass bizarre, ungewöhnliche oder absurde Informationen besser im Gedächtnis bleiben als alltägliche, gewöhnliche Inhalte. Die Idee dahinter ist, dass das Außergewöhnliche hervorsticht und dadurch leichter erinnert wird. Allerdings zeigt die Forschung, dass dieser Effekt nicht zuverlässig auftritt und stark vom Kontext abhängt. Bizarrheit allein verbessert die Merkfähigkeit nicht automatisch - sie funktioniert nur, wenn sie zur Unterscheidbarkeit beiträgt und das gesamte Lernmaterial in seiner Bizarrheit variiert.

Warum ist das eine Verzerrung?

Die Verzerrung liegt darin, dass wir systematisch überschätzen, wie sehr uns Bizarrheit beim Erinnern hilft. Wir fokussieren uns auf die wenigen bizarren Details, die wir behalten haben, und übersehen dabei, dass wir möglicherweise andere wichtige Informationen vergessen haben oder die bizarren Elemente vom eigentlichen Lerninhalt ablenken. Im Beispiel erinnert sich Lisa zwar an den rosa Elefanten, aber nicht an die korrekte Zuordnung zur Jahreszahl - die Bizarrheit hat also nicht zur besseren Erinnerung des relevanten Inhalts geführt. Zudem investieren wir oft unverhältnismäßig viel Zeit in das Ausdenken bizarrer Eselsbrücken, die dann nicht den erhofften Nutzen bringen, während einfachere, kontextbasierte Lernstrategien effektiver gewesen wären.

Quellen