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NtAF08 · Need to Act Fast

Decoy Effect

Preference

Beispiel

Sarah möchte in ihrem Lieblingscafé einen Kaffee kaufen. An der Tafel sieht sie zwei Optionen: einen kleinen Cappuccino für 3,20 Euro (250 ml) und einen großen für 4,80 Euro (500 ml). Sie überlegt kurz und entscheidet sich für den kleinen, da ihr der große zu teuer erscheint und sie sowieso nicht so viel trinken möchte. Eine Woche später kommt Sarah wieder ins Café. Diesmal steht aber eine dritte Option auf der Tafel: klein für 3,20 Euro (250 ml), mittel für 4,50 Euro (350 ml) und groß für 4,80 Euro (500 ml). Plötzlich wirkt die große Variante wie ein absolutes Schnäppchen – nur 30 Cent mehr als die mittlere, aber 150 ml mehr Kaffee! Sarah bestellt spontan die große Variante, obwohl sie eigentlich nicht vorhat, so viel zu trinken. Was Sarah nicht bemerkt: Die mittlere Option wurde nur eingeführt, um den großen Kaffee attraktiver wirken zu lassen. Niemand im Café bestellt jemals die mittlere Größe, denn sie ist objektiv ein schlechtes Angebot. Ihre einzige Funktion besteht darin, als Vergleichsanker zu dienen und Kunden wie Sarah dazu zu bringen, mehr auszugeben als ursprünglich geplant.

Was ist dieser Effekt?

Der Decoy Effect beschreibt das Phänomen, dass Menschen ihre Präferenz zwischen zwei Optionen ändern, wenn eine dritte, strategisch platzierte Option hinzugefügt wird. Diese "Köder-Option" (Decoy) ist so gestaltet, dass sie einer Zieloption in allen Dimensionen unterlegen ist, während sie gegenüber der anderen Alternative gemischte Vor- und Nachteile aufweist. Durch diesen asymmetrischen Vergleich erscheint die Zieloption plötzlich deutlich attraktiver, obwohl sich an ihr objektiv nichts geändert hat. Der Effekt wird häufig in Preisgestaltung und Marketing eingesetzt, um Kunden zu teureren Optionen zu lenken.

Warum ist das eine Verzerrung?

Der Decoy Effect zeigt, dass unsere Entscheidungen nicht auf absoluten Werteinschätzungen basieren, sondern stark von der Art der Präsentation und den verfügbaren Vergleichsoptionen abhängen. Eine irrelevante dritte Option, die niemand wählen würde, sollte rational keinen Einfluss auf die Präferenz zwischen den ursprünglichen zwei Optionen haben. Stattdessen manipuliert sie unsere Wahrnehmung und führt dazu, dass wir Entscheidungen treffen, die nicht unseren tatsächlichen Bedürfnissen oder ursprünglichen Präferenzen entsprechen. Diese Verzerrung verletzt das ökonomische Prinzip der "Unabhängigkeit irrelevanter Alternativen" und macht uns anfällig für gezielte Manipulationen durch Anbieter, die ihre Produktpalette strategisch gestalten, um höhere Umsätze zu erzielen.

Quellen