NtAF25 · Need to Act Fast
Law of Triviality
Beispiel
Ein Softwareunternehmen plant eine grundlegende Umstrukturierung ihrer IT-Infrastruktur. In der Führungssitzung stehen zwei große Themen auf der Agenda: Erstens die Migration zu einer neuen Cloud-Plattform, die mehrere Millionen Euro kostet und die gesamte Systemarchitektur betrifft. Zweitens die Neugestaltung des Firmenlogos auf der Unternehmenswebsite. Die Diskussion über die Cloud-Migration dauert nur 15 Minuten. Die technischen Details sind komplex, die Kostenschätzungen umfangreich, und die meisten Führungskräfte verstehen die Feinheiten nicht wirklich. Nach einer kurzen Zusammenfassung der IT-Leiterin nicken alle zustimmend und stimmen dem Vorschlag zu. Bei der Logo-Diskussion jedoch entfacht eine hitzige Debatte, die über eine Stunde andauert. Der Marketingleiter bevorzugt einen dunkleren Blauton, die Vertriebsleiterin findet die Schriftart zu modern, der Finanzchef meint, das alte Logo sei eigentlich besser gewesen, und die Personalleiterin schlägt vor, doch lieber Grün zu verwenden, weil das sympathischer wirke. Jeder hat eine Meinung, denn jeder kann ein Logo beurteilen. Am Ende wird eine Arbeitsgruppe gebildet, die weitere Varianten erarbeiten soll, und das Thema wird auf die nächste Sitzung vertagt.
Was ist dieser Effekt?
Das Law of Triviality beschreibt die Tendenz von Menschen, unverhältnismäßig viel Zeit und Energie für nebensächliche, leicht verständliche Themen aufzuwenden, während sie komplexe, wichtige Entscheidungen schnell und oberflächlich behandeln. Je einfacher ein Thema zu verstehen ist, desto länger wird darüber diskutiert, weil sich jeder kompetent genug fühlt, eine Meinung beizutragen. Bei komplexen Themen hingegen fühlen sich die meisten Menschen überfordert und verlassen sich auf Experten, ohne ausreichend kritisch zu hinterfragen. Das Phänomen wird auch "Bikeshedding" genannt, nach Parkinsons Beispiel eines Komitees, das mehr Zeit über einen Fahrradschuppen debattiert als über ein Atomkraftwerk.
Warum ist das eine Verzerrung?
Diese Verzerrung führt zu einer massiven Fehlallokation von Aufmerksamkeit und Ressourcen. Die wichtigsten und folgenreichsten Entscheidungen werden mit zu wenig Sorgfalt getroffen, weil die Beteiligten sich von der Komplexität abschrecken lassen und vorschnell der Expertise anderer vertrauen. Gleichzeitig werden unwichtige Details endlos analysiert, weil sie für jeden verständlich sind und jeder seinen Beitrag leisten möchte. Das Ergebnis: Strategische Fehler bei den großen Themen bleiben unbemerkt, während triviale Aspekte perfektioniert werden. Die Organisation verliert damit den Fokus auf das Wesentliche und verschwendet wertvolle Zeit und Energie an Nebenschauplätzen.