NtAF24 · Need to Act Fast
Law of the Instrument
Beispiel
Thomas ist IT-Administrator und hat in den letzten zehn Jahren umfangreiche Excel-Kenntnisse entwickelt. Er beherrscht komplexe Formeln, Pivot-Tabellen und sogar VBA-Makros perfekt. Als seine Firma wächst, entstehen neue Herausforderungen: Die Personalabteilung braucht eine Lösung für die Mitarbeiterverwaltung, das Marketing-Team benötigt ein System zur Kampagnenverfolgung, und die Geschäftsleitung möchte ein Dashboard für Verkaufszahlen. Thomas' Antwort auf alle diese Anfragen ist dieselbe: "Das mache ich mit Excel!" Er baut komplizierte Tabellen mit verschachtelten Formeln, verknüpft Dutzende von Arbeitsblättern miteinander und erstellt aufwendige Makros. Während die Lösungen zunächst funktionieren, häufen sich bald die Probleme: Die Mitarbeiterdatenbank wird bei gleichzeitigen Zugriffen instabil, das Marketing-Team verliert den Überblick in den verschachtelten Tabellenblättern, und das Verkaufs-Dashboard stürzt regelmäßig ab, wenn zu viele Daten verarbeitet werden müssen. Als Kolleginnen vorschlagen, für die Mitarbeiterverwaltung eine spezialisierte HR-Software zu nutzen, für das Marketing ein CRM-System einzuführen und für das Dashboard eine Business-Intelligence-Lösung zu implementieren, wehrt Thomas ab: "Das ist viel zu kompliziert und teuer. Mit Excel können wir das genauso gut machen – ich kenne das Tool in- und auswendig!" Er investiert weiter unzählige Stunden in die Wartung seiner Excel-Konstrukte, anstatt sich in passendere Tools einzuarbeiten.
Was ist dieser Effekt?
Das Law of the Instrument beschreibt die Tendenz, bei der Problemlösung übermäßig auf vertraute Werkzeuge und Methoden zurückzugreifen, unabhängig davon, ob diese für die jeweilige Aufgabe am besten geeignet sind. Nach dem Motto "Wenn man nur einen Hammer hat, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus" werden Situationen so interpretiert, dass sie mit den bereits beherrschten Fähigkeiten gelöst werden können. Diese kognitive Verzerrung entsteht aus der Kombination von Expertise in einem Bereich und der natürlichen Scheu vor dem Aufwand, neue Methoden zu erlernen. Menschen formulieren Probleme unbewusst so um, dass ihre bevorzugten Lösungsansätze anwendbar erscheinen.
Warum ist das eine Verzerrung?
Die Verzerrung liegt darin, dass nicht die optimale Lösung für das Problem gewählt wird, sondern die Lösung, die dem vorhandenen Werkzeugkasten entspricht. In Thomas' Fall führt dies zu ineffizienten, wartungsintensiven und fehleranfälligen Systemen, wo spezialisierte Software deutlich bessere Ergebnisse liefern würde. Die Entscheidung basiert nicht auf einer objektiven Bewertung verschiedener Optionen, sondern auf persönlicher Vertrautheit und der Vermeidung von Lernaufwand. Langfristig entstehen dadurch höhere Kosten, mehr Fehler und suboptimale Ergebnisse – paradoxerweise gerade weil man sich auf seine Stärken verlässt, anstatt das jeweils beste Werkzeug für die Aufgabe zu wählen.