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NtAF35 · Need to Act Fast

Social Desirability Bias

Desirability

Beispiel

Maria wird von ihrer Krankenkasse zu ihren Lebensgewohnheiten befragt. Auf die Frage, wie oft sie pro Woche Sport treibt, antwortet sie "drei- bis viermal". In Wahrheit schafft sie es höchstens einmal pro Woche ins Fitnessstudio, manchmal auch gar nicht. Als sie nach ihrem Alkoholkonsum gefragt wird, gibt sie "ein bis zwei Gläser Wein am Wochenende" an, obwohl sie unter der Woche oft noch ein Feierabendbier trinkt und am Wochenende durchaus mehr als zwei Gläser konsumiert. Bei der Frage nach Fast-Food-Konsum antwortet sie "sehr selten, vielleicht einmal im Monat", verschweigt aber die wöchentlichen Pizzalieferungen am Freitagabend. Maria lügt nicht bewusst - sie passt ihre Antworten unbewusst an das an, was sie für sozial erwünscht hält. Sie weiß, dass regelmäßiger Sport, wenig Alkohol und gesunde Ernährung als "richtig" gelten, und möchte sich selbst und dem Interviewer gegenüber in einem positiven Licht darstellen. Selbst wenn die Umfrage anonym ist, fällt es ihr schwer, Verhaltensweisen zuzugeben, die sie als "schlecht" oder "faul" empfindet.

Was ist dieser Effekt?

Der Social Desirability Bias beschreibt die Tendenz von Menschen, in Befragungen und Selbstauskünften Antworten zu geben, die sozial erwünscht und akzeptiert sind, statt ehrlich zu antworten. Menschen übertreiben dabei "gute" Verhaltensweisen (Sport, gesunde Ernährung, Spenden, Wahlbeteiligung) und untertreiben oder verschweigen "schlechte" Verhaltensweisen (Alkoholkonsum, Drogengebrauch, illegale Aktivitäten, ungesunde Gewohnheiten). Diese Verzerrung geschieht oft unbewusst und dient dazu, ein positives Selbstbild aufrechtzuerhalten und von anderen positiv wahrgenommen zu werden. Der Effekt verstärkt sich besonders bei sensiblen Themen und in nicht-anonymen Situationen.

Warum ist das eine Verzerrung?

Diese Verzerrung führt zu systematisch falschen Daten, die Entscheidungen auf fehlerhafter Grundlage treffen lassen. Die Krankenkasse in Marias Fall könnte basierend auf den geschönten Angaben falsche Schlüsse über die Gesundheitsrisiken ihrer Versicherten ziehen und unpassende Präventionsprogramme entwickeln. In der Marktforschung führt der Bias dazu, dass Unternehmen die tatsächlichen Nutzungsgewohnheiten ihrer Kunden nicht verstehen. In der medizinischen Forschung können falsche Angaben zu Risikofaktoren die Wirksamkeit von Behandlungen verfälschen. Das Problem ist besonders tückisch, weil die Befragten nicht bewusst lügen wollen - sie können ihre eigene Verzerrung oft nicht erkennen, was die Korrektur erschwert.

Quellen