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NtAF34 · Need to Act Fast

Social Comparison Bias

Decision Making

Beispiel

Lisa, eine 28-jährige Marketing-Managerin, scrollt nach Feierabend durch Instagram. Ihre ehemalige Studienkollegin Sarah postet gerade Fotos von ihrer Beförderung zur Abteilungsleiterin – mit champagnersprühendem Team im schicken Büro. Darunter ein Bild von Sarahs neuem Elektroauto vor einer Designervilla. Lisa fühlt sich plötzlich unzufrieden. Sie selbst arbeitet seit drei Jahren auf derselben Position, wohnt in einer Zweizimmerwohnung und fährt mit der U-Bahn. Während sie weiterscrollt, sieht sie ihren Cousin beim Marathon-Zieleinlauf, eine Freundin im Wellnessurlaub auf den Malediven und einen früheren Kollegen, der sein Start-up verkauft hat. Obwohl Lisa eigentlich mit ihrem Leben zufrieden war – sie mag ihren Job, hat ein stabiles Einkommen und gute Freunde – fühlt sie sich nun niedergeschlagen und unzulänglich. Sie beginnt, ihre eigenen Leistungen zu hinterfragen: "Warum bin ich nicht schon weiter in meiner Karriere? Alle anderen scheinen erfolgreicher und glücklicher zu sein als ich." Am nächsten Tag ist Lisa im Büro unkonzentriert, meldet sich übereilt für ein teures Coaching-Programm an und beginnt, über einen Jobwechsel nachzudenken – obwohl sie eigentlich gute Entwicklungsperspektiven in ihrer aktuellen Firma hat. Sie vergleicht sich ständig mit den Höhepunkten aus den Leben anderer, die sie online sieht, und fühlt sich dadurch unter Druck gesetzt, schnelle Veränderungen vorzunehmen.

Was ist dieser Effekt?

Social Comparison Bias beschreibt die Tendenz, den eigenen Wert, die eigenen Fähigkeiten und Lebensumstände durch den Vergleich mit anderen Menschen zu bewerten. Dabei konzentrieren wir uns besonders auf Personen, die wir als uns ähnlich wahrnehmen oder die als überlegen erscheinen (Aufwärtsvergleich). Diese Vergleiche führen häufig zu negativen Gefühlen wie Unzufriedenheit, Neid oder vermindertem Selbstwertgefühl, da wir selektiv die Erfolge und positiven Aspekte anderer wahrnehmen – besonders in sozialen Medien, wo Menschen hauptsächlich ihre Höhepunkte präsentieren. Der Vergleichsprozess läuft oft unbewusst ab und beeinflusst unsere Entscheidungen und unser Wohlbefinden erheblich.

Warum ist das eine Verzerrung?

Die Verzerrung entsteht, weil wir unser gesamtes Leben – mit allen Höhen und Tiefen, Zweifeln und Alltäglichkeiten – mit den kuratierten Highlights anderer vergleichen. Was wir von anderen sehen, ist meist eine geschönte, unvollständige Momentaufnahme, nicht die Realität ihres gesamten Lebens. Lisa kennt nicht Sarahs 60-Stunden-Wochen, ihre gescheiterten Beziehungen oder ihre Geldsorgen wegen des Hauskaufs. Indem sie sich ständig mit den Erfolgen anderer misst, übersieht Lisa ihre eigenen Stärken und Fortschritte und trifft übereilte Entscheidungen aus einem Gefühl der Unterlegenheit heraus. Diese Vergleiche führen zu unrealistischen Maßstäben und können zu impulsiven Handlungen, chronischer Unzufriedenheit und sogar psychischen Problemen wie Depressionen oder Angststörungen führen.

Quellen