NtAF33 · Need to Act Fast
Self-Serving Bias
Beispiel
Sarah arbeitet seit zwei Jahren in einer Marketingagentur und hat gerade zwei wichtige Präsentationen hinter sich. Die erste Präsentation vor einem Großkunden verlief hervorragend - der Kunde war begeistert und unterschrieb einen lukrativen Jahresvertrag. Als ihre Kollegin sie zum Erfolg beglückwünscht, erklärt Sarah stolz: "Ich habe wochenlang an diesem Konzept gefeilt, die Zielgruppenanalyse war wirklich durchdacht, und meine Präsentationstechnik hat den Unterschied gemacht." Eine Woche später präsentiert Sarah ein anderes Projekt vor einem mittelständischen Unternehmen. Dieses Mal läuft es nicht gut - der Kunde wirkt desinteressiert und lehnt das Angebot ab. Auf dem Rückweg ins Büro ist Sarah frustriert und erklärt ihrem Team: "Der Entscheider war von Anfang an voreingenommen, die hatten wohl schon eine andere Agentur im Kopf. Und dann kam auch noch dieser technische Defekt beim Beamer - das hat die ganze Atmosphäre ruiniert. Bei diesem Budget hätten die sowieso nie Ja gesagt." In beiden Fällen spielten ähnliche Faktoren eine Rolle: Sarahs Vorbereitung, die Qualität des Konzepts, aber auch die Aufgeschlossenheit der Kunden, das Budget und äußere Umstände. Doch Sarah nimmt den Erfolg als persönliche Leistung wahr, während sie den Misserfolg komplett auf externe Faktoren schiebt.
Was ist dieser Effekt?
Der Self-Serving Bias beschreibt unsere Tendenz, Erfolge den eigenen Fähigkeiten und Anstrengungen zuzuschreiben, während wir Misserfolge auf äußere Umstände, Pech oder andere Menschen schieben. Diese Verzerrung dient dem Schutz unseres Selbstwertgefühls und präsentiert uns selbst und anderen gegenüber in einem positiven Licht. Der Effekt funktioniert meist unbewusst und ist besonders stark ausgeprägt, wenn unser Ego bedroht ist oder wir uns vor anderen rechtfertigen müssen.
Warum ist das eine Verzerrung?
Diese selbstdienliche Zuschreibung verhindert objektives Lernen aus Erfahrungen. Wenn Sarah ihre Misserfolge ausschließlich externen Faktoren zuschreibt, verpasst sie die Chance, echte Schwachstellen in ihrer Arbeit zu identifizieren und daran zu wachsen. Gleichzeitig überschätzt sie möglicherweise ihre tatsächlichen Fähigkeiten, weil sie bei Erfolgen den Beitrag günstiger Umstände ignoriert. Langfristig führt dies zu unrealistischer Selbsteinschätzung, wiederholten vermeidbaren Fehlern und Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit, da andere Menschen die gleichen Situationen oft differenzierter wahrnehmen.